Jahrbuch 2008
- (openPR) - Im Verlag Max Stirner Archiv / Edition Unica ist die erste Ausgabe des Jahrbuchs der Max Stirner Gesellschaft erschienen. Es beinhaltet die Tagungsbeiträge des im Oktober 2006 an der Freien Universität Berlin unter Schirmherrschaft von Prof. Dr. Wolf-Dieter Narr durchgeführten Symposiums „Zur Aktualität der Philosophie Max Stirners. Seine Impulse für eine interdisziplinäre Diskussion der kritische-krisischen Grundbefindlichkeit des Menschen“ sowie Rezensionen, ein Forum und ein Namensregister.
Eine komplette Übersicht der Beiträge (inklusive englischsprachiger Abstracts) ist auf der Homepage der Max Stirner Gesellschaft: www.msges.de einzusehen.
Das Jahrbuch kostet 25 Euro bzw. ist in der Mitgliedschaft in der Max Stirner Gesellschaft enthalten. Es kann direkt über das Max Stirner Archiv Leipzig (www.max-stirner-archiv-leipzig.de) bezogen werden.
Die in Arbeit befindliche, zweite Ausgabe des Jahrbuches wird im wesentlichen die Tagungsbeiträge der in Lissabon durchgeführten Konferenz „Die Kritik Stirners und die Kritik an Stirner / A crítica de Stirner e a crítica a Stirner“ beinhalten. Weiterhin ist der Abdruck von Übersetzungen schwer zugänglicher Vorworte zu Stirners Einzigen (z.B. das Vorwort zur jiddischen Übersetzung) und Faksimiles von Stirner betreffenden Dokumenten (z.B. Begründung für die Zensur von Stirners Einzigen) als fester Bestandteil für die kommenden Ausgaben geplant. Über aktuelle Entwicklungen und Planungen sowie die jeweiligen Koordinatoren eines Jahrbuchs informiert die Website der Max Stirner Gesellschaft.
Veröffentlichungen
zu Max Stirner 2006
- orgonomie.net,
Peter Nasselstein: Max Stirner und die Kinder der Zukunft, 6.1.2006,
http://orgonomie.net/hdostirner.htm#stirner
- scienzz,
Josef Tutsch: Das Ich, das Nichts und die Empörung, 22.6.2006,
www.scienzz.de
- diepresse.com,
Rudolf Burger: "Ich hab' Mein Sach' auf Nichts gestellt",
24.6.2006, www.diepresse.com
- diepresse.com,
Leopold Rosenmayr: Mehr als Ich!, 1.7.2006, www.diepresse.com
- Die
Zeit, Franz Schuh: Nicht aus der Ruhe zu bringen, 13.7.2006,
www.zeit.de
- conalma.twoday,
Hatte Max Stirner Sex?, 30.7.2006, conalma.twoday.net
- Die
Zeit, Franz Schuh: Die Generation der ICHlinge, 31.8.2006,
www.zeit.de
- dradio.de,
Angelika Brauer: "Mir geht nichts über mich" oder
"Wie viel Moral ist verzichtbar?", 25.10.2006, www.dradio.de
- Nordbayerischer
Kurier, Florian Zinnecker: Interview mit Kurt W. Fleming,
25.10.2006
- Nordbayerischer
Kurier, Joachim Schultz: Nach wie vor ein Geheimtipp,
25.10.2006
- Der
Tagesspiegel, Angelika: Brauer: Mehr Ego, 25.10.2006,
www.tagesspiegel.de
- Neue
Zürcher Zeitung, Uwe Justus Wenzel: Max Stirners
angestrengter Selbstgenuss, 25.10.2006, www.nzz.ch
- Sonntagsblatt.
Evangelische Wochenzeitung für Bayern, Bernd Mayer: Erzvater
der Anarchisten, 25.10.2006
- Süddeutsche
Zeitung, Alexander Kissler: Was gut, was böse! Ich
bin ja selber Meine Sache, 25.10.2006
Erzvater
der Anarchisten
Vor 200 Jahren in Bayreuth geboren: »Ich«-Philosoph
Max Stirner
Er
war ein Bürgerschreck aus dem Spitzweg-Idyll: Gleich zwei Gedenktage
erinnern in diesem Jahr an den gebürtigen Bayreuther Max Stirner,
einen der kühnsten und provokativsten philosophischen Köpfe
des 19. Jahrhunderts.
Der erste Gedenktag verstrich fast völlig unbemerkt und ungewürdigt
am 28. Juni dieses Jahres, als sich Max Stirners Todestag zum 150.
Mal jährte. Das zweite Datum ist sein 200. Geburtstag am 25.
Oktober 2006.
Der
Junghegelianer, radikale Individualist und Bürgerschreck Stirner
lehnte so ziemlich alles ab, was der zivilisierten Menschheit hoch
und heilig ist. Weder Staat noch Recht ließ er gelten, auch
nicht Wahrheit, Sitte und Religion, sondern nur sich selbst.
Verlust
der Eltern
Der »Freieste der Freien«, wie ihn sein späterer
Herold, der Lyriker und Erzähler John Henry Mackay nannte,
erblickte als Sohn eines Bayreuther Flötenmachers in einem
Spitzweg-Idyll am Marktplatz das Licht der Welt.
Doch die Idylle zerbrach bald: Als er ein halbes Jahr alt war, starb
der Vater. Die Mutter heiratete zwei Jahre später wieder und
zog nach Westpreußen. Ihren kleinen Sohn ließ sie in
Bayreuth beim Paten, wo Stirner später auch das Gymnasium besuchen
durfte. Im Herbst 1826 schloss der Gymnasiast die »Königlich
Bayerische Studienanstalt zu Bayreuth« (heute Christian-Ernestinum)
»sehr würdig« als Drittbester ab. Seinen Namen
hatte er übrigens von seinen Mitschülern wegen seiner
hohen Stirn erhalten - eigentlich hieß er Johann Caspar Schmidt.
Der Zeitgenosse Jean Pauls studierte in Erlangen, Königsberg
und Berlin Theologie, Philologie und vor allem Philosophie. In Berlin
kam er mit dem protestantischen Großdenker Friedrich Schleiermacher
in Kontakt, besuchte begeistert Hegels Vorlesungen. Mit dem biedermeierlichen
Beamtenstädtchen Bayreuth hatte Stirners Leben fortan nicht
mehr viel zu tun.
Bekannt geworden ist Stirner zu Lebzeiten durch ein einziges Werk
mit dem seltsamen Titel »Der Einzige und sein Eigentum«,
erschienen 1845. In ihm outet sich der Philosoph als der vielleicht
größte Egoist aller Zeiten. Er will die Aufklärung
vollenden, das »Jenseits in uns« beseitigen, den Menschen,
sich selbst aus der Unmündigkeit befreien. Ein solcherart befreiter
Mensch ist für Stirner ein »Eigner« seiner selbst
- ein »Egoist«. Hemmungslos stellt er das eigene Ich
über alles in der Welt - nichts anderes kann ansonsten vor
ihm bestehen. Die ganze Welt ist für Stirner ein Narrenhaus,
in dem die Wahnsinnigen den tollen Tanz um ihre fixen Ideen vollführen.
Die dumme Masse jauchzt ihnen dabei zu.
Ginge es nach Stirner, so ist der Mensch das Geschöpf seiner
selbst, sein eigener Gott. Die Botschaft lautet: »Ich bin
(aber) nicht ein Ich neben anderen Ichen, sondern das alleinige
Ich, ich bin einzig.« Für die Anarchisten wurde er damit
zu einem ihrer Vordenker. Visionär hielt er in seiner Religionskritik
dem Protestantismus dessen fatale Obrigkeitsgläubigkeit vor.
Karl Marx fand hingegen wenig Gefallen an Stirners Egozentrik und
hielt ihn für einen verkappten deutschen Kleinbürger,
der einen Klagegesang gegen den Staat loslässt.
Flucht
vor den Gläubigern
Persönlich hatte Stirner viel Pech im Leben. Beide Ehen gingen
in die Brüche. Als ihm in seiner Wahlheimat Berlin das Geld
ausging, wollte er einen Milchvertrieb aufbauen und scheiterte damit
kläglich. In seinen letzten Lebensjahren war er ständig
auf der Flucht vor Gläubigern und saß wiederholt im Schuldgefängnis.
Die Nachricht, dass in Bayreuth eine Max-Stirner-Gesellschaft gegründet
worden sei, empfand die Süddeutsche Zeitung als geradezu widersinnig.
»Etwas Bizarreres als Vereinssatzungen, Mitgliedsbeiträge
und Vorstandswahlen zum Nachruhm dieses notorischen Einzelgängers
kann es kaum geben«, schrieb das Blatt. Schließlich
habe niemand so rücksichtslos die Frage nach den Grenzen der
Gesellschaft gestellt und so niederschmetternd klare Antworten gefunden:
Kein soziales Wesen sei der Mensch, vielmehr der letzte böse
Geist, der schlaueste Lügner mit ehrlicher Miene. Bernd
Mayer
Quelle: Sonntagsblatt. Evangelische Wochenzeitung
für Bayern, 25.10.2006 [Mit freundlicher Genehmigung des Chefredakteurs
H. Frank]  |