Ego,
Joannes Casparus Schmidt, evangelicae confessioni addictus, Baruthi,
quod Borussiae olim oppidum nunc Bavariae attributum est, die XXV.
mensis Octobris anni MDCCCVI natus, patreque tibiarum fabricatore
paucis post me natum diebus defuncto sum usus. Mater Ballerstedtio
pharmacopolae post tres annos nupta ubi per varios fortunae casus
Culmam, quod est oppidum ad Vistulam in Borussia occidentali positum,
delata est, me haud ita multo post, anno MDCCCX ad se arcessit.
Inde primis literarum rudimentis instructus, anno actatis duodecimo
exacto Baruthum sum reversus, Gymnasium illius oppidi florentissimum
frequentaturus. A viris doctissimis ibi disciplina per septem fere
annos institutus sum, e quibus pio ac grato animo Pauschium, Kiefferum,
Neubigum, Kloeterum, Heldium, Gablerum nomino, qui et humanitate
et consuetudinis conjunctione optime de me meruerunt. Quorum praeceptis
via ad studia munita, annis MDCCCXXVI - MDCCCXXVIII in academia
Berolinensi et philologiae et theologiae studiu, et Boeckhii, Hegelii,
Marheinekii, Caroli Ritteri, Henrici Ritteri, Schleiermacheri lectionibus
operam dedi. Postero anno in academia Erlangensi per semestre obivi
Kappii et Wineri scholas; quibus auditis itineri me per Germaniam
commissurus academia discessi annumque ferc totum in ea profectione
consumsi. Domesticis deinde rebus coactus annum unum Culmae, alterum
Regimonti negotiis familiaribus deditus transegi. Quo ego tempore,
etsi studia in academia persequi non licuit, nequaquam tamen neglectis
litteris ad doctrinas et philosophicas et philologicas studioso
animo incubui. Anni MDCCCXXXIII mense Octobri ad studia me retuleram
in academia Berolinensi renovanda, cum in morbum incidi, qui me
ad audiendis lectionibus per semestre prohibuit. Salute refecta
Boeckhii, Lachmanni, Micheleit interfui lectionibus. Itaque triennio
absoluto nunc examen pro facultate docendi, quod dicunt, Deo juvante
constitui subire.
Ich,
Johann Kaspar Schmidt, evang. Konfession, bin geboren zu Baireuth,
einer ehemals preussischen, jetzt bairischen Stadt, am 25. Oktober
1806. Mein Vater war Flötenmacher; er starb bald nach meiner
Geburt. Meine Mutter heiratete 3 Jahre später den Apotheker
Ballerstedt und gelangte mit diesem unter mancherlei wechselnden
Schicksalen nach Kulm a. d. Weichsel in Westpreussen. Hierhin holte
sie mich alsbald im Jahre 1810 zu sich. Nachdem ich dort den ersten
Unterricht empfangen, kehrte ich mit 12 Jahren nach Baireuth zurück,
um das Gymnasium zu besuchen. Sieben Jahre lang genoss ich hier
den Unterricht gelehrter Männer, unter denen besonders Pausch,
Kieffer, Neubig, Kloeter, Held und Gabler sich meiner mit grosser
Liebe annahmen, so dass ich dankbar ihrer gedenke. Mit dem Reifezeugniss
versehen, bezog ich in den Jahren 1826 bis 1828 die Universität
Berlin zum Studium der Philologie und der Theologie und hörte
Vorlesungen bei Böckh, Hegel, Marheineke, Carl Ritter, Heinrich
Ritter und Schleiermacher. Alsdann begab ich mich für ein Semester
nach Erlangen, wo ich Rapp und Winer hörte, verliess darnach
die Universität, um eine längere Reise durch Deutschland
zu machen. Häuslicher Verhältnisse halber verblieb ich
nun ein Jahr in Kulm, ein zweites in Königsberg ebenfalls in
Familien-Angelegenheiten. Jedoch vernachlässigte ich währenddessen
keineswegs meine philologischen und philosophischen Studien. Im
Oktober 1833 endlich kehrte ich zur Wiederaufnahme meiner akademischen
Studien nach Berlin zurück, verfiel aber sogleich in länger
dauernde Krankheit, so dass ich erst vom nächstfolgenden Semester
an Vorlesungen und zwar bei Böckh, Lachmann und Michelet hören
konnte. Auf diese Weise vollendete ich das akademische Triennium
und gedenke mich nunmehr dem Examen pro facultate docendi zu unterwerfen. [Sommer
1834]
Max
Stirner in Lebensdaten:
1806
25. Oktober: Geburt in Bayreuth
6.
November: Taufe auf den Namen Johann Kaspar Schmidt
1807
19. April: Tod des Vaters im Alter von 37 Jahren
1809
13. April: Wiederverheiratung der Mutter mit dem Provisor Ballerstedt;
sie geht mit ihm nach Kulm
19. Dezember: Geburt der Schwester Johanna Friederica
1810
Der kleine Johann Caspar zieht zu seiner Mutter nach Kulm
1812
21. September: Tod der Schwester Johanna Friederica
1818
Johann Caspar Schmidt kehrt zurück nach Bayreuth
1819
Eintritt in die lateinische Vorbereitungsschule, danach Gymnasium
1826
Herbst: Absolutorium
8. September: Abgangszeugnis
18. Oktober: Immatrikulation in Berlin Rosenthalerstraße 47
1827
Dorotheenstraße 5
1828
1. September: Exmatrikulation in Berlin
20. Oktober: Immatrikulation in Erlangen
1829
Sommer: "Längere Reise durch Deutschland"
2. November: Immatrikulation in Königsberg, Steindamm 132
1830
Ein Jahr in Kulm: "häuslicher Verhältnisse halber"
1831
Ein Jahr in Königsberg
1832
28. November: Zweite Immatrikulation in Berlin, Poststraße
9; Längere Erkrankung
1833
Ostern: Neuer Markt 2 bei Burtz
1834
27. März: Exmatrikulation in Berlin
2. Juni: Meldung zum Examen pro facultate docendi; August: "Geisteskranke"
Mutter plötzlich in Berlin
29. November: Einreichung der schriftlichen Arbeiten
1835
28. Januar: Aufnahme der Mutter in die Charité in Berlin
24. und 25. April: Mündliche Prüfung
29. April: Prüfungs-Zeugnis (bedingte facultas docendi); Pädagogisches
Probejahr an der kgl. Realschule von Spilleke
1836
Freiwilliger halbjähriger Unterricht (bis Herbst) an der Realschule;
Winter: Privatstudien
1837
4. März: Bewerbung um Anstellung
16. März: Ablehnender Bescheid
19. Juli: Tod Ballerstedts in Kulm
17. Oktober: Mutter in der Privatanstalt Schönhauser Allee
9
12. Dezember: Heirat mit Agnes Clara Kunigunde Burtz; Ehepaar: Klosterstraße
5-6
1838
6. April: Oranienburger (Communal?) Straße 86
29. August: Tod der Frau im Kindbett
5. Oktober: Neue Friedrichstraße 79 (bei der Schwiegermutter)
1839
1. Oktober: Eintritt in die Töchterschule der Madame Gropius
1842
Januar: Mitarbeiter an Binders „Die Eisenbahn“ und an
Gutzkows "Telegraph"
Januar: Das "Gegenwort"; Korrespondent an der "Rheinischen
Zeitung" und der "Leipziger Allgemeinen Zeitung"
1843
4. Oktober: Neu Kölln am Wasser 23
21. Oktober: Heirat mit Marie Wilhelmine Dähnhardt
1844
Mitarbeit an Buhls Berliner Monatsschrift
1. Oktober: Austritt aus der Schule der Madame Gropius
Ende Oktober: "Der Einzige und sein Eigenthum" erscheint
1845
"Die Nationalökonomen der Franzosen und Engländer"
begonnen
Sommer: Milchwirtschaft
Entgegnung an Feuerbach, Szeliga und Hess
1846
Anfang April: Trennung von Marie Dähnhardt
4. April: Hirschelstraße 14
Sommer: Darlehensgesuch
1847
3. April: Dessauerstraße 15
"Die Nationalökonomen der Franzosen und Engländer"
beendet
1848
4. April: Dresdenerstraße 96
Mitarbeiter am "Journal des österreichischen Lloyd"
Entgegnung an Kuno Fischer
5. Oktober: Köthenerstraße 27
1851
3. Oktober: Dessauerstraße 2
1852
Die "Geschichte der Reaction"
1853
5.-26. März: im Schuldgefängnis
1. April: Jägerstraße 72
3. Juli: Stromstraße 8
7. September: Philippstraße 19 bei Mme. Weiß
1854
1. Januar - 4. Februar: abermals im Schuldgefängnis
28. August bis 21. September: abwesend von Berlin
12. September: Vertrag mit Mairsohn in Schwetz
1856
Mai: Erkrankung
25. Juni: Tod
28. Juni: Begräbnis
(Quelle:
John Henry Mackay: Max Stirner. Sein Leben und sein Werk) |